Vom Home-Office ins CoWorking Space

Vom Home-Office ins CoWorking Space

Ich bin bereits seit knapp 2 Jahren im Home-Office. Hier verbringe ich Tage damit, meine Selbstständigkeit zu pflegen, diszipliniert meine ToDo-Listen zu verfolgen und dabei immer wieder darüber nachzudenken, wie ich meine Produktivität und somit die Ergebnisse verbessern kann – bis vor knapp 3 Wochen.

Denn zum August haben wir uns entschlossen, dass sonst so grenzenlose Leben zwischen Arbeit und Alltag aufzugeben und wieder in die „natürliche“ Struktur zu wechseln. Mit einem externen Büro soll es in Zukunft weiter gehen – für mich eine neue Welt, die ich nach den ersten 3 Wochen gerne mit euch teilen will.

Hat man über einige Jahre hinweg täglich das Haus zur Arbeit verlassen, blickt man immer wieder neidisch auf solche, die es nicht tun müssen. Arbeitende im Home-Office haben es gut, können frei über ihre Arbeitszeiten entscheiden, brauchen das Haus nicht zu verlassen, haben keinen Arbeitsweg vor sich und können nahtlos zwischen Arbeit und Privatleben wechseln.

So verlockend das auch ist, so hat das Leben im Home-Office leider auch viele Nachteile, wie ich es in den knapp zwei Jahren erfahren habe. So kann man leicht abgelenkt werden, verliert an Motivation und hat durch die fehlenden Grenzen, wie sie in einem normalen Büro bezüglich Arbeitszeit, Kleidung und Verhalten vorhanden sind, oftmals einen Übersichtsverlust. Das, und noch mehr, hat mich zum nachdenken gebracht, wie es wohl wäre, täglich ein externes Büro aufzusuchen.

Der Sprung aus dem Home-Office

In Rahden, Kreis Minden, wurde seit einiger Zeit ein CoWorking Space geplant. Hierbei handelt es sich um Räumlichkeiten, welche von einem Unternehmen für Selbstständige und Freelancer bereitgestellt werden. Dort kann man, für einige Tage oder aber auch Monate, einen Arbeitsplatz mieten und so konzentriert arbeiten. Bereitgestellt werden dabei Internet, Strom, Drucker, Toiletten und natürlich auch die Räumlichkeiten selbst.

Wir wurden gefragt, ob wir Interesse hätten, an dem CoWorking Space teilzunehmen, jedoch nicht einfach als Übergang, sondern als dauerhafte Lösung. Hier würden wir, vorerst nur mit wenigen Personen, in einem Büro arbeiten und zu diesem freien Zutritt erhalten. Den Gedanken an sich fand ich ideal. Endlich wieder aus dem Haus zu gehen, den privaten Alltag hinter sich zu lassen und umgeben von anderen arbeitenden Personen sich auf die Selbstständigkeit zu konzentrieren gefiel mir.

Doch gab es dabei auch mehrere Punkte, welche mir Sorgen machten. Auf der einen Seite stand die Konzentration. Zwar nahm ich an, dass das gemeinsame Arbeiten meine Motivation verbessern würde, auf der anderen Seite wusste ich jedoch nicht, wie ich als Texter und Blogger mit den zahlreichen Geräuschen und Bewegungen in der Umgebung zurecht kommen könnte.

Ebenso unklar war, ob ich mir auf Dauer den Büroplatz überhaupt leisten konnte. Gemeinsam mit meiner Frau, welche sich seit einigen Wochen ebenfalls als Mediendesignern selbstständig gemacht hat, hatten wir die doppelte Miete zu tragen. Zuletzt stand da noch die Sorge um ein fehlendes Verständnis mit den anderen Mitarbeitern im Weg. Denn diese Menschen sollte ich über mehrere Monate und vielleicht auch Jahre hinweg tagtäglich treffen.

Ich muss zugeben, dass ich keiner der drei Punkte sich vor unserer Entscheidung geklärt hatte, mittlerweile jedoch aus der Welt geschafft ist. Für die Konzentration sollen bald Glaswände sorgen, welche die einzelnen Bereiche aufteilen. Die Kosten konnten durch das Verrechnen von einzelnen Leistungen minimiert werden. Und die Menschen vor Ort sind ideale Arbeitskollegen, mit welchen wir uns gut verstehen können. Somit habe ich, nach meinen kurzen 3 Wochen, den Sprung ins kalte Büro-Wasser nicht bereut.

Das Leben im CoWorking Space

Ich hatte angenommen, dass ich das Leben im Home Office vermissen würde. Immerhin hatte ich hier meine Ruhe, war für mich allein und konnte nach Lust und Laune meinen Tag gestalten. Auch wenn letzterer Punkt geblieben ist, hat sich doch einiges geändert.

Das Leben im CoWorking Space ist eine interessante Erfahrung. Der Tag beginnt, wie in der Selbstständigkeit gewohnt, nach freiem Ermessen. Man ist umgeben von Menschen, welche jeweils andere Ziele im Blick haben, an unterschiedlichen Projekten arbeiten und gut miteianander zurechtkommen. Immer wieder entstehen dabei natürliche Beziehungen, welcher der Selbstständigkeit ideal zugute kommen. Eine Person hat einen Kunden, welcher nach Leistungen sucht, die man selbst anbietet. Ein anderer benötigt selbst Hilfe und wird plötzlich zum Kunden.

Interessant ist für mich auch die Erfahrung, immer wieder auf Aktionen zu stoßen. Während im Home-Office nur das Telefon sowie meine Frau Abwechslung brachten, sind es im CoWorking Space zahlreiche Personen, welche täglich ein- und ausgehen. An diese zusätzliche Bewegung muss man sich gewöhnen, um in Zukunft weiterhin produktiv arbeiten zu können.

Mein Fazit über 3 Wochen

Mit dem CoWorking Space ändert sich einiges in unserem Leben. Der wohl größte Vorteil ist dabei sicherlich die Tatsache, dass wir morgens aus dem Haus gehen können, um zur Arbeit zu fahren – und später NACH HAUSE kommen. Was banal klingt, ist eine wertvolle Bereicherung, die das Genießen von freien Zeiten ermöglicht. Denn wo man früher nur wenige Schritte zum Home-Office benötigte, sind es heute mehrere Kilometer.

Ob ich mich völlig vom Hausbüro trenne? Ich plane in unserer neuen Wohnung einen Bereich einzurichten, wo weiterhin Platz für ein Notebook und einen Stuhl ist. Hier kann ich dann vielleicht hin und wieder einen Blogartikel verfassen oder sonstige Arbeit auffassen, die während dem Tag liegengeblieben ist. Zudem erhalte ich damit die Flexibilität, auch dann arbeiten zu können, wenn mal wegen schlechtem Wetter, einem defekten Auto oder ähnlichen Faktoren das Büro nicht besucht werden kann. Das soll aber keinesfalls die Regel, sondern die Ausnahme sein.

Viktor

5 Kommentare

  1. Hi Viktor,

    interessanter Schritt, über den ich auch schon Mal nachgedacht habe. Zwar noch nicht ernsthaft, aber ich denke immer mal wieder darüber nach. Mir geht es dabei immer um zwei wesentliche Punkte:

    1. das von dir angesprochene NACH HAUSE kommen. Wir haben zwar ein Extraraum im Büro, der nach Arbeit verlassen und geschlossen wird. Aber das typische Gefühl das man kennt ist es eben nicht. Ich frag mich immer Mal wieder ob ich das so brauche, das ich Geld für ein externes Büro zahlen würde.

    2. Kontakte: Daheim ist gut. Daheim hat man seine Ruhe. Aber man sieht selten Menschen. Meine Kunden kommen meistens aus ganz Deutschland, nicht sehr oft aus der Region, weswegen ich wenn dann telefoniere. Oft auch nur skype.

    Das sind so die zwei Punkte.

    Hätte mal ein paar Fragen an dich:

    Darf ich fragen was du ungefähr monatlich zahlst?
    Darf man mal ein Foto von deinem Arbeitsplatz sehen?
    Was machst du mit Ordnern, wichtigen Unterlagen, Buchhaltungskram usw. Also eigentlich interne Dinge die man im Alltag immer mal wieder zur Hand haben sollte. Dort ist ja nehme ich an nichts „richtig“ getrennt…..

    Würde mich über Antworten freuen 😉

  2. @Bohn: Pro Arbeitsplatz sind das monatlich 200 Euro. Wir haben den Vorteil, dass unsere Leistungen hier immer wieder von den Besitzern in Anspruch genommen werden. So lassen sich Stunden verrechnen, was die Gebühren senkt.

    Ich werde in Kürze ein Bild auf Twitter posten. Dann kannst du es dir gerne mal ansehen 🙂

    Wir führen die Buchhaltung mittlerweile nur noch digital. So sparen wir uns einiges an Arbeit (Drucken, Sortieren, Aufbewahren) und schicken die Dateien per Mail unserer Steuerberaterin zu. Die restlichen Dokumente lagern Zuhause, da wir sie nicht benötigen. Es könnten aber zusätzliche Schränke aufgestellt werden, die abgeschlossen werden können. Wie gesagt, für uns bislang unnötig.

    Mir ging es übrigens Zuhause nicht besser. Wir hatten dort ein Arbeitszimmer, dass aber einfach zu nah am restlichen Privatleben lag. Die jetzige Lösung bringt viel Struktur ins Leben und macht „richtigen“ Feierabend möglich.

  3. Digital? Boah, wie viel ich da einscannen müsste 😛

    Danke mal für die Auskunft. Wie sieht es mit den lieben Macs aus. Hast du dort dann was festes stehen oder nen Macbook wo du mitnimmst?

    Beim Bild wäre ne Mention schön, damit ichs nicht verpasse 😀

  4. @Bohn: Ich erhalte die meisten Rechnung aus Digital. Da ist das Einscannen überflüssig. Wenn ich mich nicht irre, bieten die meisten Unternehmen auch Rechnungen als PDF an…

    Wir haben unsere iMacs ins Büro gestellt. Das war eine bewusste Entscheidung, damit die Computer wirklich als Arbeitsgeräte dienen. So haben wir Zuhause eine noch bessere Trennung. Manches mache ich aber auch auf dem MacBook. Per Dropbox und Evernote werden die Sachen dann einfach übertragen.

    Der Raum hier ist zwar groß, wird aber abgeschlossen. Zudem sind die Geräte versichert. Sollte es mal zum Diebstahl kommen, gibt es immer noch Backups.

    Die Mention kommt, nach Feierabend gibts das Bild.

  5. danke dir 😉

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